Segel setzen! Mit Automatisierung Ineffizienzen umschiffen

Das Produktkulturmagazin, Ausgabe Q4 2018

By Leon Stamm

Transformation und Automation gehören zusammen wie Segel und Wind. Was nützten die klügste Transformationsstrategie und das beste digitale Transformationsprojekt, wenn die vorhandene Wissensbasis und der bestehende Erfahrungsschatz nicht gleichzeitig erschlossen und nachhaltig in Wert gesetzt werden. Bei dieser komplexen Aufgabe kann nur Automatisierung Abhilfe schaffen, denn auch mit den erfahrensten Ruderern kann ein Segelschiff nicht so schnell Fahrt aufnehmen wie mit der Kraft des Windes.

Grundsätzlich beruht jede erfolgreiche Transformation – ob analog oder digital – auf drei wesentlichen Stoßrichtungen: die Reduktion auf die Kernkompetenzen, Erhöhung der Geschwindigkeit und letztlich der absolute Kundenfokus. Kurz zusammengefasst, ein Prozess der kontinuierlichen Verbesserung kombiniert mit einer agilen Vorgehensweise. Um also auf den maritimen Vergleich zurückzukommen: Burgen und Festungen hatten noch nie in der Geschichte Bestand, Häfen allerdings schon. Nun sind die Erkenntnisse bezüglich jedweder Transformation ja nicht neu. Beginnend bei der Erfindung des Buchdrucks, über die Dampfmaschine und die Möglichkeiten des offenen Internets, bis hin zu einer rasanten globalen Durchdringung mittels World Wide Web, smarten Endgeräten und einem enormen Datenpool strukturierter und – viel größer noch – unstrukturierter Daten.

Die Möglichkeiten sind enorm, die Anforderungen an die Informationsverarbeitung ebenso. Wenn man berücksichtigt, dass Informationsverarbeitung die Kernkompetenz jeder Versicherung, jeder Bank und jedes Service Providers ist, dann ist es eigentlich kaum zu verstehen, warum sich gerade große Versicherungen und insbesondere Banken so schwer mit der Transformation ihrer Geschäftsmodelle tun. Wir haben aus über 300 sehr komplexen Transformationsprojekten gelernt, dass Plattformtechnologien eine wesentliche Rolle spielen. Idealerweise sind diese in einem Schichtenmodell dergestalt angeordnet, dass sie ein flexibles Universum ergeben. Denkt man hierbei nun an das Rechenzentrum des Unternehmens, so sollte die Frage gestellt werden, ob diese eine Festung oder ein Hafen ist, eher eine Burg oder ein dynamischer Verbund? In der Informationstechnologie macht genau die intelligente Kombination aus beiden Welten den Unterschied.

Eine intelligente Mischung von äußerst robusten Kerntechnologien gepaart mit einem Ökosystem aus dynamischen, standardisierbaren Open Source-Technologien sind aus unserer Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Die alles entscheidende Frage hierbei ist, ob die IT-Plattformen heute robust und sicher vernetzt sind? Ist die Vernetzung interaktiv, resilient, verschlüsselt und normiert? Ist eine standhafte IT-Infrastruktur vorhanden, insbesondere, wenn es um den Austausch großer Datenmengen geht, die idealerweise verschlüsselt und jederzeit auditierbar sind? Wie werden darauf basierende Geschäftsanwendungen gesteuert und wichtige Systemarbeiten wie beispielsweise regelmäßige Updates, Backup- und Recovery-Services erledigt?

Erst wenn die Burgen der Informationsverarbeitung intelligent vernetzt sind, kann die Steuerung beziehungsweise das Management in Echtzeit erfolgen. Nur so entsteht die sogenannte integrierte Data-Supply-Chain. Diese ist durch Business Events gesteuert und nicht durch eine wie auch immer geartete Planung. Nur so entstehen Agilität und Geschwindigkeit für treffsichere und aktuelle Geschäftsentscheidungen ebenso wie eine robuste, resiliente und intelligente IT-Automatisierungsplattform.

Dynamische Automatisierung ist somit die Grundvoraussetzung für jegliche Form von Transformation, und der intelligente Plattformgedanke ist das kritische Element. Ohne Automatisierung keine Skalierung, ohne Skalierung keine Digitalisierung und wiederum ohne Digitalisierung keine neuen Märkte und Kunden. Zehn Punkte auf dem Weg zum „dynamischen Rechenzentrum“ sind wichtig, um im Idealfall eine Handlungsanweisung für jedwede IT-Transformation zu gewährleisten.

Zuallererst werden Sie ein Broker von IT-Services, insbesondere von Cloud-Diensten. Wer über das Angebot hinausgeht, dynamischer und intelligenter handelt, wird belohnt. Die Entwickelung einer Roadmap kann dabei durchaus hilfreich sein. Zweitens, die Reduktion von Hardware-Mentalität, stattdessen sollte die Konzentration auf den Services, die Sie bereitstellen müssen, liegen, um Ihrem Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen. Darüber hinaus sollte stets in die Fähigkeiten des Teams investiert werden, dabei werden Qualifikationslücken durch Talentförderung und Rekrutierung geschlossen, um Visionen zu erreichen. An vierter Stelle steht die Vorbereitung auf zukünftige Integrationen von privat und Public Cloud-Services, mit Blick auf eine hybride Interoperabilität. Dabei sollten die Menschen, Prozesse und Technologien besonders berücksichtigt werden. Für den Erfolg werden strategische Cloud-Initiativen eingeplant, indem diese drei Elemente synergistisch wirken können. Eine Förderung der Zusammenarbeit beim Aufbau des richtigen Teams und dessen Fähigkeiten sowie beim Aufbau kollaborativer, agiler Teams mit IT-Anwendungsleitern und Partnern steht ebenfalls auf der Agenda. Darüber hinaus gilt die Einführung einer „Servicekultur“ als sinnvoll, IT dient dabei als ein Service mit Training, Integration und Investitionen in eine hybride Architektur. Ein weiterer Punkt: Denken Sie groß. Dabei sollte die Transformation allerdings in kleinen Schritten ausgeführt werden, um der Dynamik des digitalen Geschäfts mit inkrementellen Ausführungen gerecht zu werden. Weitere Schritte für eine ideale IT-Transformation sind die Förderung von Innovationen und der Aufbau einer „Can Do“-Kultur. Hierdurch wird eine „lernende Organisation“ geschaffen, welche durch eine kontinuierliche Verbesserung unterstützt. Zu guter Letzt ist der Erfolg Ihres IT-Services an den Unternehmenszielen zu messen, weshalb der Wert von IT-Services für Führungskräfte mit Kennzahlen dargestellt werden sollte, diese spiegeln damit die Prioritäten des Unternehmens wider.

Das ist ein harter Weg, welcher mit der Konzentration auf die Kernkompetenzen und einer klaren Roadmap beginnt, welche idealerweise den Weg zur Cloud-Automatisierung ebnet. Im ersten Schritt erfolgt die intelligente und robuste Vernetzung der Automatisierungsinseln zur Schaffung eines IT-Automation-Backbones. Daraufhin wird die Einführung der Data-Supply-Chain und die damit verbundene auditierbare Ereignissteuerung der wichtigen Geschäftsprozesse durchgeführt, woraufhin anschließend webbasierte IT-Workload-Broker-Technologien eine schrittweise Harmonisierung der Anwendungsautomatisierung mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung ermöglichen. Eine lernende Organisation, robust und agil, mit dem Besten aus beiden Welten der statischen Burg und des dynamischen Hafens. Wir nennen es einfach dynamische Automatisierung.


Dieser Beitrag wurde erstmals publiziert am 12. Dezember 2018
Das Produktkulturmagazin, Ausgabe Q4 2018.
Bleiben Sie auf dem Laufenden. Folgen Sie uns auf LinkedIn. Weitere Informationen zum Produktkulturmagazin von "The Group of Analysts" finden Sie unter www.tgoa.com